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PERMA-Modell: Was es ist und 5 Beispiele aus dem Alltag

7 min read

2/17/2026

Mendro Redaktion

PERMA-Modell: Was es ist und 5 Beispiele aus dem Alltag

PERMA ist ein einfaches Rahmenwerk, um über Wohlbefinden nachzudenken, ohne das Leben auf eine einzige Zahl namens Glück zu reduzieren. Es teilt Aufblühen in fünf Elemente auf, die du wahrnehmen und stärken kannst. Dieser Artikel erklärt, wofür jeder Buchstabe steht, warum jedes Element als eigener Bestandteil gilt und wie es in gewöhnlichen Tagen aussieht. Du gehst mit fünf konkreten Beispielen, die du auf dein eigenes Leben übertragen kannst.

PERMA ist kein Stimmungs-Tracker

Die meisten Menschen beginnen, über Wohlbefinden nachzudenken, indem sie fragen: „Bin ich glücklich?“

PERMA startet mit einer anderen Annahme. Wohlbefinden ist real, aber es ist nicht eine Sache. Es ist eher wie eine Mahlzeit aus unterschiedlichen Zutaten. Du kannst eine Zutat verbessern, ohne dass sich alle anderen wie von selbst „mitreparieren“. Und es kann auch sein, dass eine Zutat fehlt und sich dann etwas „schief" anfühlt.

Genau darin liegt der praktische Nutzen des PERMA-Modells: Es gibt dir fünf getrennte Stellen, an denen du hinschauen kannst, wenn sich dein Gesamtgefühl vom Leben irgendwie verwirrend oder widersprüchlich anfühlt.

Was PERMA ist

PERMA ist ein Rahmenwerk, das vom Psychologen Martin Seligman eingeführt wurde. Die Buchstaben stehen für Positive Emotion (Positive Emotionen), Engagement, Relationships (Beziehungen), Meaning (Sinn) und Accomplishment (Leistung/Erfolg).

Seligman schlug vor, dass jedes Element zählt, weil es drei Bedingungen erfüllt. Jedes Element:

  • trägt zum Wohlbefinden bei,
  • ist etwas, das Menschen um seiner selbst willen anstreben, und
  • lässt sich zumindest teilweise unabhängig von den anderen definieren und messen.

Diese Einordnung verhindert, dass das Modell in einer einzigen vagen Idee zusammenfällt. Sinn ist nicht einfach ein anderes Wort für Beziehungen, und Leistung ist nicht nur ein Nebenprodukt von Engagement. Im Leben können sie sich überschneiden, begrifflich bleiben sie jedoch unterscheidbar.

Warum fünf Elemente helfen

PERMA spiegelt wider, wie Motivation und Erleben organisiert sind. Im Alltag laufen in deinem Kopf mehrere „Wertesysteme“ gleichzeitig.

Manche Systeme drehen sich um unmittelbare Gefühle und Sicherheit, etwa Komfort, Freude, Erleichterung und Ruhe. Andere drehen sich um Vertiefung und Aufmerksamkeit, zum Beispiel wenn du so in eine Aufgabe eintauchst, dass Zeit „verschwindet“. Wieder andere betreffen soziale Zugehörigkeit und Unterstützung. Weitere betreffen Kohärenz und Zweck, das Gefühl, dass dein Leben mit etwas Größerem verbunden ist. Und wieder andere drehen sich um Kompetenz, Fortschritt und die Zufriedenheit, etwas abzuschließen.

Wenn du nur fragst „Bin ich glücklich?", drückst du diese Systeme in eine einzige Zahl. Wenn du sie trennst, kannst du nützliche Unstimmigkeiten erkennen, zum Beispiel:

  • stolz auf Fortschritt sein, aber emotional flach fühlen,
  • Menschen nah sein, aber zugleich unchallged und gelangweilt,
  • beschäftigt sein, aber nicht wirklich sinnvoll engagiert.

PERMA ist eine praktische Landkarte. Es behauptet nicht, jedes Detail von Persönlichkeit, Kultur, Trauma oder Ethik zu erklären. Seine Stärke ist, dass es Reflexion „diagnostischer" macht, ohne klinisch zu werden.

Positive Emotion (Positive Emotionen)

Positive Emotion ist das erlebte Gefühl angenehmer Emotionen, wie Freude, Dankbarkeit, Hoffnung, Gelassenheit, Amüsement oder schlicht Zufriedenheit.

PERMA sagt nicht, dass positive Emotion das einzige Ziel ist. Es sagt: Sie ist ein legitimes Element von Wohlbefinden, das es sich lohnt, für sich zu bemerken, selbst wenn sich andere Bereiche nicht verändern.

Beispiel aus dem Alltag: Du beginnst am Ende des Tages ein fünfminütiges „Gute Dinge"-Ritual. Keine erzwungene Dankbarkeitsliste, sondern drei Momente, die du wirklich genossen hast: der erste Schluck Kaffee, eine witzige Nachricht, ein Sonnenfleck auf deinem Schreibtisch. Nach einer Woche sind deine Umstände im Grunde gleich, aber du bemerkst kleine positive Dinge tagsüber schneller. Diese Verschiebung ist Positive Emotion. Es geht um die Textur des Erlebens, nicht um Sinn oder Leistung.

Wo das hilft, und wo nicht: Positive Emotion lässt sich durch Aufmerksamkeit und Interpretation oft steigern. Sie kann aber auch durch Depression, chronischen Stress, Trauer und Schmerzen begrenzt sein. PERMA ist ein Reflexionswerkzeug, kein Versprechen, dass Stimmung immer veränderbar ist.

Engagement

Engagement ist tiefe Beteiligung. Es ist das Gefühl, in einer Aktivität aufzugehen, bei der deine Aufmerksamkeit vollständig gebunden ist. Viele Beschreibungen verbinden das mit „Flow“, dem Zustand, in dem Herausforderung und Fähigkeit gut zusammenpassen und Selbstbeobachtung leiser wird.

Engagement ist nicht dasselbe wie Vergnügen. Es kann anstrengend oder im Moment sogar frustrierend sein. Das Kennzeichen ist das Aufgehen in der Tätigkeit.

Beispiel aus dem Alltag: Du nimmst dir vor, zehn Minuten deinen Arbeitsplatz aufzuräumen, und öffnest dann ein Design-Projekt, um ein paar Details anzupassen. Plötzlich ist eine Stunde vorbei. Du hast nicht „entspannt", aber du fühlst dich danach mental klar, als wäre dein Kopf so genutzt worden, wie er genutzt werden will. Das ist Engagement.

Eine hilfreiche Reflexionsfrage: Welche Aktivitäten lassen bei dir zuverlässig die Zeit verschwinden? Die Antwort sagt oft mehr über Engagement aus als „Was mag ich?".

Relationships (Beziehungen)

Beziehungen im PERMA-Modell meint unterstützende, positive Verbindungen zu anderen Menschen. Dazu gehört, sich umsorgt zu fühlen, man selbst sein zu können, Menschen zu haben, auf die man sich verlassen kann, und auch selbst diese Person für andere zu sein.

Menschen regulieren Emotionen sozial. Ein ruhiges Gespräch kann Stress herunterregeln. Sich gesehen zu fühlen, kann Grübelschleifen reduzieren. Gemeinsames Lachen kann den physiologischen „Grundton" eines Tages verändern. Beziehungen sind kein Accessoire, sie sind Teil davon, wie das Nervensystem wieder zur Basislinie zurückfindet.

Beispiel aus dem Alltag: Du hast eine schwierige Woche und rufst, statt dich einfach durchzuboxen, eine Freundin an, die zuhören kann, ohne alles sofort in Ratschläge zu verwandeln. Du legst auf und fühlst dich handlungsfähiger, obwohl die Probleme nicht gelöst sind. Nichts wurde „geschafft", nichts Großes „verstanden", aber die innere Last ist gesunken. Das ist das Beziehungselement in Aktion.

Eine Grenze: Beziehungen können auch Stress, Konflikt und Schaden verursachen. PERMA zeigt auf den Beitrag positiver Verbindung, nicht die Idee, dass jede Beziehung gut für dich ist.

Meaning (Sinn)

Sinn ist das Gefühl, dass dein Leben mit etwas verbunden ist, das größer ist als du selbst. Das kann Familie, Glaube, Handwerk, Dienst am anderen, Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Lernen oder das Bauen von etwas sein, das dich überdauert.

Sinn verändert, wie sich Anstrengung anfühlt. Wenn Sinn da ist, können harte Dinge wie gewählt statt wie erzwungen wirken. Wenn Sinn fehlt, können selbst leichte Dinge leer wirken.

Beispiel aus dem Alltag: Du engagierst dich zweimal im Monat ehrenamtlich und hilfst neuen Einwander:innen dabei, konversationelles Englisch zu üben. Es macht nicht immer Spaß, und du hast nicht in jeder Sitzung ein klares „Erfolgserlebnis". Aber du gehst mit einem stabilen Gefühl raus: „Das ist wichtig." Diese Stabilität ist Sinn.

Eine hilfreiche Unterscheidung: Sinn ist nicht dasselbe wie Glück. Menschen können bedeutungsvolle Traurigkeit auf einer Beerdigung fühlen oder bedeutungsvollen Stress, wenn sie einen geliebten Menschen pflegen.

Accomplishment (Leistung/Erfolg)

Leistung/Erfolg ist Fortschritt und Zielerreichung, inklusive Meisterschaft, Abschließen und das Erreichen von Zielen. Wichtig: Es umfasst auch Leistungen, die Menschen um ihrer selbst willen verfolgen, nicht nur, weil sie zu Geld, Lob oder Status führen.

Unter Leistung liegt Kompetenz. Wenn du dir ein Ziel setzt, übst und Verbesserung siehst, aktualisiert dein Gehirn seine Erwartung darüber, was du kannst. Das erhöht oft Vertrauen und die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen.

Beispiel aus dem Alltag: Du entscheidest, einen 5-km-Lauf ohne Pause zu schaffen. Du folgst einem einfachen Plan, trackst deine Läufe, und nach sechs Wochen klappt es. Am Tag, an dem du es schaffst, fühlst du eine besondere Zufriedenheit, anders als Freude und anders als Sinn. Es ist die Zufriedenheit von: „Ich habe getan, was ich mir vorgenommen habe." Das ist Accomplishment.

Eine häufige Falle: Leistung ohne die anderen Elemente kann brüchig wirken, als permanentes Streben ohne Genuss, ohne Beziehungen und ohne Zweck. PERMA hilft dir, dieses Ungleichgewicht früher zu sehen.

PERMA anwenden

PERMA ist am hilfreichsten, wenn du es als Linse nutzt, nicht als Punktestand.

Probier das einmal pro Woche: Denk an einen kürzlich erlebten Tag und frage dich, welches Element am stärksten präsent war und welches am meisten gefehlt hat. Erzwing nicht alle fünf. Benenne einfach, was offensichtlich ist.

Dann eine sanfte Anschlussfrage: Was ist die kleinste realistische Veränderung, die nächste Woche ein bisschen mehr vom fehlenden Element hinzufügen würde?

Kleine Veränderungsideen passend zum Modell:

  • Positive Emotion: ein angenehmes Ritual, das du wirklich wiederholen kannst.
  • Engagement: eine Stunde blocken für eine absorbierende Tätigkeit, Benachrichtigungen aus.
  • Beziehungen: ein Kontakt, der nicht transaktional ist.
  • Sinn: eine Handlung, die einen Wert ausdrückt, den du ohnehin schon hast.
  • Leistung/Erfolg: ein abschließbares Ziel mit einer klaren „Fertig"-Linie.

Wenn du ein Reflexionstool wie Mendro nutzt, kann PERMA ein neutrales Set von Tags für Journaling-Einträge sein, sodass Muster über Zeit leichter sichtbar werden. Auf Papier funktioniert es genauso gut.

Was PERMA dir sagen kann, und was nicht

PERMA ist ein grundlegendes Modell, keine Diagnose und kein Versprechen.

Es kann dir helfen zu erkennen, welche Art von Wohlbefinden gerade niedrig ist, statt anzunehmen, du seist „einfach unglücklich". Es kann dir helfen, kleine Experimente zu entwerfen, die am richtigen Hebel ansetzen. Es kann klarere Sprache liefern, um in Coaching, Teams oder Familien über Wohlbefinden zu sprechen.

Es kann nicht jede Ursache von Leiden oder Aufblühen erklären. Es kann klinische Versorgung bei Depression, Angststörungen, Trauma oder Sucht nicht ersetzen. Und es wird deine Werte nicht für dich festlegen.

Wenn du diese Grenze klar hältst, bleibt PERMA nützlich, eine einfache, mehrdimensionale Art, darüber zu reflektieren, was das Leben so wirken lässt, als liefe es gut, und was fehlen könnte, wenn es das nicht tut.

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Quellen und weiterführende Literatur

Martin E. P. Seligman (2011)

Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being

Free Press

Link ↗

Wikipedia contributors (2024)

PERMA model

Wikipedia

Link ↗

Tansey, T. N. et al. (2022)

Application of the PERMA Model of Well-being in Undergraduate Students: A Systematic Review and Meta-Analysis

International Journal of Environmental Research and Public Health, via PubMed Central

Link ↗

British Institute of Learning Disabilities (2021)

The PERMA Model: A Scientific Theory of Happiness (booklet)

Corporate Finance Institute (2023)

PERMA Model: Overview, Core Elements, Workplace Application

Corporate Finance Institute

Link ↗

TPC Leadership (2023)

An evidence-based model of wellbeing – PERMA

TPC Leadership

Link ↗

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